Wie ich als Stadtschreiberin denn Hamburg fände und die
Hamburger, so von außen betrachtet, wurde ich oft gefragt.

Einmal habe ich auf diese Frage hin gesagt, Hamburg gefalle
mir. Es muss in dem Moment die falsche Antwort gewesen sein, denn mein
Gegenüber entgegnete, er würde aber alles eher kritisch sehen. Alles? Die
Unterhaltung war an dieser Stelle beendet, leider, denn ich hätte gern
erfahren, warum er solche Pauschalkritik übte. Was kann man schon über eine
Stadt sagen? ‚So von außen‘. Reiseführerromantik? Kritische Auseinandersetzung
mit dem Sichtbaren von Stadtarchitektur oder Sozialgefüge? „Städte mit Wasser
sind schöner“, soll Gottfried Benn einmal über Hamburg gesagt haben, ein
lapidarer Satz für einen wortmächtigen Dichter, vielleicht aus einer ähnlichen
Verlegenheit heraus.

Aber Hamburg hat ja noch einen Stadtschreiber, oder besser
gesagt, einen Stadtdichter, der das Stadtgeschehen von innen heraus kritisch
begleitet. Ein paarmal bin ich ihm begegnet, freitags auf dem Isemarkt, wo er
mit seinem Lyrik-to-go Fahrrad steht, mit den Menschen plaudert und selbst
Geschichten erzählt. Der Titel seines Buches stimmt, er ist „Dichter an
Hamburg“.