Das Schiff gleitet übers stille Wasser. Ich befinde mich auf „uns Ewer“, ein Nachbau von den Schiffen, die früher Obst und Gemüse von den Vierlanden nach Hamburg brachten. Es gab keinen Plan mehr, wie diese Schiffe gebaut wurden, also hat man anhand von Fotos versucht, das Boot so gut wie möglich nachzubauen. 2013 wurde es fertiggestellt und sieht ganz schön alt aus.

Der Förderverein „Vierländer Ewer e.V.“ kann alles über den Bau dieses Schiffes erzählen. Einfach war es nicht, aber viele Leute haben mit angepackt und so hat es geklappt.

Faszinierend ist das Kalfatern: Hanf wird in Leinöl gelegt, bis es sich vollgesaugt hat. Dann drückt man es in die Fugen zwischen den Planken und versiegelt es mit warmem Harz, das mit Leinöl verdünnt wurde. Da das Holz noch arbeitet darf man es nicht zu fest andrücken. Aber schon fest genug, man will keine Öffnungen im Schiffsrumpf haben.

Am interessantesten ist, dass es natürliche Mittel sind, die man dabei verwendet.

Holz, und das weiß ich, denn ich arbeite für eine Firma, die ökologische Fertighäuser aus Holz herstellt, kann man biegen. Man muss es nur ein paar Stunden ins Dampfbad legen, und dann kann man es einmal biegen. Nicht mehr, nur ein einziges Mal. Es muss sofort verarbeitet werden.

Holz ist einfach ein großartiger Baustoff.

Es gibt auf dem Fluss hier keine Strömung. Er wurde vor langer Zeit von der Elbe abgetrennt, damit die Elbe besser schiffbar wurde. Der Seitenarm heißt Dove Elbe, doof heißt taub auf niederländisch. Ein tauber Fluss, es ist fast gruselig. So ohne Strömung. Ich würde ihn gerne nachts mal befahren. Vielleicht finde ich noch jemanden, der mich in der Nacht über die Dove Elbe schippert. Es müsste schnell passieren, erstens ist es jetzt Sommer und nachts noch angenehm, und zweitens überlegt man, den doven Seitenarm wieder freizumachen, so dass der Schlick aus der Elbe besser verteilt wird. Das würde heißen, dass dieser Fluss wieder einen wechselnden Wasserstand hätte, und dass er manchmal weniger als einen Meter tief sein würde. Der Ewer würde ihn weiterhin befahren können, andere Schiffe hätten dann Schwierigkeiten. Der Fluss würde wieder zu reden anfangen, zu flüstern, mal leise, mal lauter. die Strömung wäre wieder da, er wäre ein ganzes Stück widerspenstiger als jetzt.

Ich besuche das Rieckhaus. Schon krass, wie die Leute gelebt haben. Ein Feuer in der Mitte, überall Rauch, die Würste hingen einfach so von der Decke und wurden geräuchert. Das Fettnäpfchen stand am Boden, um das heruntertropfende Fett aufzufangen. Der Tag im Hof bestand einfach aus Arbeit. Wenn etwas kaputt war, musste man bis zum Winter warten, dann hatte man Zeit zum Reparieren, weil die Tage kürzer waren.

So ein Bauernhof war natürlich schnell mal abgebrannt. Das Feuer war offen. Viel Holz, ein Reetdach. „Die Tiere“, so erklärte mir der Bauer, „brennen wie nichts“. Ich sehe ihn erschrocken an. Wie meint er das? „Sie kamen oft zu nah ans Feuer, rannten dann in Panik durchs Haus und verbreiteten überall Funken“. Ach so.

Was dann am schnellsten gebrannt hatte, waren die Spinnengewebe. „Die brennen wie nichts“. Vielleicht kann ich den nächsten Frühjahrsputz mit einer Streichholzschachtel erledigen. Met een luciferdoosje. Oder mit einer Hauskatze. Nun ja.

Später führt Jörg mich noch durch das bergedorfer Schloss. Es lohnt sich auf jeden Fall, so eine Führung zu machen, sonst versteht man die Hälfte nicht. Jörg kennt sich gut aus, er erzählt die Geschichte interessant und spannend.

Man kann natürlich auch einfach so nach Bergedorf kommen, Kaffee trinken und Kuchen essen. Haferdrink für den Kaffee: check!

Am Empfang in der Burg sitzt Ronald, der mir hilft, wenn ein Wort mir nicht einfällt, oder wenn eine Bedeutung nicht ganz klar ist. Wenn ich etwas über Bodo, den Schlosshund wissen will. Er kennt sich aus. Er schmeißt den Laden. Er ist gut gelaunt.

Und das ist einfach schön, morgens auf der Arbeit anzukommen und freundliche Leute zu sehen…