Wieso habe ich es jetzt erst getan?

Ich bin einem Käfig, die Tür schließt sich, ich bin eingesperrt. Es geht schnell runter, bis unters Wasser. Dann öffnet sich der Käfig wieder und ich sehe etwas unfassbar Schönes. Mysteriös, im sanften Licht streckt sich ein Tunnel vor mir aus, die Kacheln an der Wand schimmern, als wären sie nass. Ich sollte noch mal hinter mir schauen, sehen, wo ich herkomme, wie ich nachher wieder herausfinden kann, aber die Weite zieht mich an, ich bin wehrlos, werde in den Tunnel eingesaugt. Ich steige auf das Fahrrad und fahre so schnell ich kann geradeaus, auch wenn ich aus dem Augenwinkel gesehen habe, dass max. 10 km/h erlaubt sind. Ich kann nicht anders. Es ist wunderschön, es macht Spaß, ich bin im Film.

Diese Kacheln sind phantastisch. Es schießen Tunneltiere an mir vorbei, ich sehe sie als Daumenkino. Fisch, Krebs, Muschel, Fisch, irgendwas. In der Mitte fühle ich, wie kaltes Wasser über mir ist, total unheimlich. Ich fahre noch etwas schneller. Dann bin ich schon an der anderen Seite, der Aufzug bringt mich zum Ufer, ich kann es nicht glauben. Ich fahre los, in die Sonne, mache einen Bogen, fahre wieder in den Fahrstuhl. Bitte nochmal. Der Mitarbeiter lacht freundlich und wünscht mir einen schönen Tag. Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ich schieße zum Nordufer zurück und fühle mich reich.

Morgen, oder nach dem Wochenende, werde ich noch mal anständig und respektvoll da durch wandeln, den schönen Aufzug bewundern, das Gebäude. Die Tunnelwände richtig anschauen, die Tiere sehen, vielleicht die Schritte zählen. Ein Foto machen. Aber heute war es das erste Mal. Es ging schnell, ich war high. Nun ja. Und ich hatte ein bisschen Angst, dort unter der Elbe.

Ich komme bald wieder, ruhig und wissend. Aber jetzt möchte ich kurz den Tunnelwärtern danke sagen, dass sie mich nicht angehalten haben, dass ich nicht absteigen musste und das Rad schieben, an 37 km Fugen und 104 restaurierten denkmalgeschützten Lampen entlang, die ein elbenhaftes Licht verbreiten.

Das hätte ich nicht geschafft.