In Harburg habe ich einen Termin mit Melanie Gitte Lansmann. Sie kümmert sich mit ihrer Werbeagentur Think About GmbH um die Aufwertung und Erschließung des Binnenhafens, ist Geschäftsführerin sowohl vom Citymanagement Harburg wie auch von channel hamburg. Sie empfängt mich in der Halle der ehemaligen Schmirgelfabrik, wir sitzen in einem großen leeren Raum. Ich könnte jetzt einen Kaffee gebrauchen. 

Manche Hamburger sehen Harburg als Fremdkörper. Warum ist das? Ich bin jetzt einen Monat hier und entdecke immer mehr schöne Ecken. Hier findet man endlich das Hafenflair, für das man in den Norden fährt, wahre Schätze liegen hier herum.

Welche Stolpersteine finde ich in Harburg, so fragte ich sie. Keine. Die Architektur in der Binnenstadt? Ja, da muss sich etwas ändern. Die B73 und die Bahn, die den Hafen von der Stadt abschneiden? Ja, dort wird eine Lösung gesucht. Die absolut gruselige S-Bahn untertage, mit den langen düsteren Gängen und dem total verwirrenden Ausgang, wo man sich komplett verloren fühlt, so als träte man in eine vergessene Stadt ein? Ja, auch das. Aber es werden neue Hotels gebaut. Und hoffentlich wird bald eine Fähre von Harburg zu den Hamburger Landungsbrücken eingerichtet. 

Es passiert etwas, vor einigen Jahren war die Schlossinsel eine Schrottinsel. Ich sehe mir alte Fotos an. Ich mag die Trossen, Anker, Ölfässer, Paletten und Kräne, die überall im Hafen zu finden sind. Die Schiffe, die hier instandgesetzt werden, den Geruch von Schiffsbau, Öl, Farbe, Rost. Ich mag die Bagger, die alten Segelschiffe in der Winterstallung, die Backsteinhallen, die verwinkelten Innenplätze. Es stehen überall Bänke, wo man sich hinsetzen kann und den Hafenbetrieb beobachten. Sogar jetzt im Herbst ist es wild romantisch hier. Ich überlege, wann der Punkt erreicht ist, an dem man aufhören sollte, neue Hochhäuser zu errichten und Straßen zu begradigen, Ecken sauber zu putzen und Altmetall zu entsorgen.

Der Standort Harburg an sich ist gut. Für die Busse mit Touristen, die hier ankommen, denn die wollen nicht nur die Innenstadt sehen, sondern auch spazieren gehen, im Wald oder auf der Heide, und mit den Kindern in den Tierpark. Dort sind die Harburger Berge, die Heide streckt sich aus, die Verkehrsanbindung an Hamburg ist ideal, so Frau Lansmann. Ich denke, hier ist das Wasser, hier ist echtes Hafenflair.

Ich denke, vor allem die jungen Leute, die Studenten können die Lösung bringen. Sie wollen natürlich nicht einfach alles entsorgen und neu machen, sie sehen oft mehr als die ältere Generation die Schönheit, das gute Design, die bewährte Technik, die ihre Ideen einrahmen kann. Ihre Kreativität gibt der Tradition neues Leben, ihre Inspiration sorgt für frischen Seewind durch die Harburger Binnenstraßen. Frau Lansmann macht es richtig, sie hat eine Praktikantin mit leuchtenden Augen dabei. Die junge Frau wäre nicht auf die Idee gekommen, den Hafen einen architektonischen Streichelzoo zu nennen, wie der Oberbaudirektor von Hamburg Franz-Josef Höing ihn lakonisch nannte. Wie bitte? Sie hätte übrigens auch die Abkürzung HIP mitleidig vom Tisch gefegt. Der Slogan “do you wanna be HIP?” hilft wirklich nicht. 

Der channel hamburg e.V. hieß zuerst channel harburg, was nicht weich im Mund liegt. Harrr, harrr. Es ist eine Fläche von 100 ha, die entwickelt wird. Sie können das im Internet alles nachlesen. Falls Sie noch wissen, was gemeint ist, denn hier flattern lauter rote Tücher für Sprachpuristen an den Masten. Die X-mas action. Und welcome to the world of future Candy, Keynotes Events und Workshops. Wir sehen uns auf dem Hamburg Innovation Summit. Moin Hamburg, was ist los?! Was ist falsch an Weihnachten? Die Arbeitgeber aus dem channel hamburg e.V. muffelt doch! Das soll innovativ sein?

Nach dem Gespräch gehe ich durch die Harburger Innenstadt, nehme die in Beton gegossene Unterführung, wundere mich über die Stadtplanung der 70-er Jahren. Jetzt brauche ich aber wirklich einen Kaffee. Den finde ich beim Bäcker. Einen Pott und ein süßes Franzbrötchen. Ich hole den Rechner raus, denke über einen Monat Harburg nach und versuche, eine Geschichte zu schreiben.