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Hamburger Gast

Last Lesung

hamburger gast 2017 Posted on Mi, Oktober 25, 2017 11:13:03

Am Sonntag 29.10. wird mein Abschied zelebriert:

Nathalie Keigel, Sascha Preiß und ich lesen ab 18:00 im Bergedorfer Schloss. Ich kehre also zurück an den Ort, wo vor drei Monaten alles begann, der Kreis schließt sich wie ein Dimensionstor und die Katze beißt sich nochmal herzhaft in den Schwanz. Drei Tage später ist der Stadtschreiber ein Ex-Stadtschreiber. Letzter Aufruf, letzte Chance! Also: Alpha, Bravo, Charlie, bitte kommen!

Ich dachte ja bislang, dass ich der Allerallerlustigste bin, aber vor den Bildunterschriften in der Lesungsankündigung der Kulturellen Initiativen verneige ich mich demütig. Darum hier bloß ein paar sachdienliche Hinweise zu meinen sonntäglichen MitleserInnen:

Nathalie Keigel

1983
geboren in Rheinfelden, Schweiz. Studium der Geschichte
und Germanistik in Basel und Hamburg. Lebt seit sieben Jahren in
Hamburg, arbeitet als freie Lektorin und Schlussredakteurin. Erste
Veröffentlichungen (Totgeburt, Nachtspiel, Zwischen) u. a. beim
Stellwerck Verlag Würzburg. Schreibt an ihrem ersten Roman,
Arbeitstitel „Mit Physik hat das nichts zu tun“. Seit Oktober
2013 Mitglied im Forum Hamburger Autorinnen und Autoren, seit Oktober
2016 im „writers’ room“.

Sascha Preiß

Geboren 1976 in Erfurt, hat in Berlin Literatur und Medizingeschichte studiert, war für insgesamt acht Jahre in Kasaschstan, Kroatien und Sibirien, seit Herbst 2013 in Hamburg. Veröffentlichungen u.a. in „Am Erker“, „entwürfe“ (Schweiz) und „Deus ex Machina“ (Belgien). Arbeitsstipendium der Kulturbehörde Hamburg im August 2017 (Château de Millemont). Mitglied im „Forum Hamburger Autorinnen und Autoren“, Mitglied im „writer’s room“. Mitorganisator der Hamburger Lesereihen „AHAB“ und „Sprelacart“, bereitet die Erstausgabe neuen Literaturzeitschrift „TAU“ vor. Schreibt derzeit sibirische Geschichten und einige 100-Seiten-Romane. https://pselbst.de



Wenn Geduld eine Tugend ist, dann ist jetzt die Zeit des Lasters angebrochen

hamburger gast 2017 Posted on Mo, Oktober 23, 2017 20:50:54

Da Ella Marouche zu den Preisträgerinnen gehörte – Gratulation! – und so freundlich war mich einzuladen, durfte ich der Verleihung des Walter Kempowski – Preises beiwohnen. Gino Leineweber las die drei preisgekrönten Texte mit hörbar geübter Stimme vor, Musik kam von einem Teenager am Steinway-Flügel – Name der Redaktion entfallen, aber „Purple Rain“ war richtisch geil. Der sogenannte Pfeffersackfaktor war immens hoch, ein Buffet ist ein Buffet ist ein Buffet, ich bin dann mal weg.

So sieht der Kulturkran der KulturWerkstatt von Weitem aus. An einem endzeitgrauen Tag, leicht schief fotografiert. So wirkt er wie ein unfreundliches Alien-Transportmittel aus „Krieg der Welten“.Der Plasmakanonenbeschuss blieb allerdings aus, ich konnte mich dem Kran ohne Zwischenfall nähern und in sein Inneres vordringen.

Die Aussicht in der Steuerkabine.
Heinrich, vor dir graut mir nicht. Mir graut vor Donald „Stephen Kings Es“ Trump und den Autokraten in Russland, in der Türkei, in Nordkorea und der halben Welt, vor dem Spiel mit Nuklearangriffen, vor der irrationalen und unbarmherzigen Panik, die die Ärmsten bei den Armen auslösen, und die zu blindem Hass wird, während steuerbefreite Konzerne sich ins Fäustchen lachen und die systematische Ausbeutung munter weitergeht und den Globus verheert, mir graut vor dem europaweiten Rechtsruck, vor der kommenden Rechts-Rechts-Regierung in Österreich, vor der Beschneidung der sozialen und kulturellen Sektoren in meinem Heimatbundesland Oberösterreich: Für #kulturlandretten notierte ich einige Zeilen, die den Pathos nicht mehr fürchten.

Wenn Geduld eine Tugend ist, dann ist jetzt die Zeit des Lasters angebrochen. Ich habe keine Lust mehr zuzusehen, wie wir uns selbst in den Abgrund manövrieren. Unsere Gier ist so lächerlich – leider lässt sie uns erblinden. Unsere Angst vor allem Fremden ist so lächerlich – leider kostet sie Menschenleben. Wenn wir der Kultur das Wasser abgraben, trocknen wir genau das aus, woraus noch Hoffnung erwächst. Das, in dem wir uns entfalten können ohne fremdbestimmten Zwecken zu unterstehen. Das, was uns Mut-zu-Mut beatmet. Das, was uns unsere Menschlichkeit und unsere Unmenschlichkeiten spiegelt. Das, woraus sich Entwürfe eines anderen Lebens speisen. Das, was uns daran erinnert, dass wir in keine Kosten-Nutzen-Rechnung passen und wir mehr sind als abgerichtete Hündchen eines perversen Ökonomismus.




Nicht der, aber sehr wohl das Kranich in den Halls of Kunst und Trink und TSCH und überhaupt. Untergrundmusik!

hamburger gast 2017 Posted on Do, Oktober 19, 2017 16:50:06

Anfang der Woche zeigte mir Tausendsassa Gorch von Blomberg den Kran, den die Harburger KulturWerkstatt vor mehr als zehn Jahren um einen Euro von der Firma Mulch erstand. (Die Verschrottungskosten und der Verkaufswert des Schrottes hätten sich die Waage gehalten.) Nun dient der Kran seit 2006 als Kulturschauplatz, als Open Air Kino-leinwandrahmen, als technisches Denkmal, als Attraktion des Binnenhafens und als geheimes Wahrzeichen von Harburg. Mit viel Engagement und Fantasie wird der freundliche Riese von einer „Krangruppe“ gepflegt, gewartet, künstlerisch bespielt. Trotz meiner solide ausgeprägten Höhenangst erkletterte ich wacker die Maschine und genoss oben Ausblick (Panorama) und Rückblick (Gorchs Ausführungen). Am Samstag werde ich ein paar Stunden dort oben verbringen und schreiben. Diesmal werde ich auch meine Fotokamera nicht vergessen.

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Beim Besuch der Kunsthalle hatte ich die Kamera allerdings dabei.
Vermittelt durch Heidi Melis, die auf großherzige Weise ihre Hamburger-Gast-Freundschaft pflegt (als Jurymitglied & beste Germanistin der Volksbank), kam eine Führung durch die Anita Rée – Retrospektive zu Stande. Gerade außerhalb von Hamburg ist diese extrem vielfältige Malerin noch viel zu wenig bekannt. Ich nutzte die Gelegenheit und streifte nach Ende der Führung auch noch durch andere Ausstellungen des Hauses – mit Gewinn und gelegentliche Geistesblitzen – bis mir vor lauter Kunst der Cortex durchschmorte.
Ella Marouche, Heidi Melis, Sophia Colditz (Co-Kuratorin der Retrospektive), Huug van’t Hoff.

Das Schiele-Haus, das mir seit Beginn meiner Stipendienzeit mehrfach empfohlen wurde, habe ich noch immer nicht besucht. Und mittlerweile weiß ich: das wird wohl auch nichts mehr. Gemeint war nämlich stets das Chile-Haus. Die HamburgerInnen sprechen es nur aus wie Egon. TSCHile sage ich. Ich lerne noch immer täglich Neues im hohen Norden.

Etwas zu unbekümmerte Streetart in einer Metrostation. Aber lieb. Apropos lieb:


Wer ist eigentlich der oder die DJ, der oder die für die Auswahl der klassischen Musikstücke zuständig ist, mit der manche U-Bahnstationen dieser Stadt so gerne beschallt werden, wohl um das nächtliche Aggressionspotential zu senken? Ein Traumjob. Musikpsychologie. Alles ist im Stadt Klang Fluss.


Vielleicht mein Lieblingsobjekt in Harburg. Kiosk of the Universe, welch göttliche Trinkhalle…



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